Samstag, 20. Februar 2016

Zeitzeugen

auf einmal sind sie nicht mehr da

sie verschwinden einfach aus unserem Sichtfeld aus unserem Leben und wir merken es oft nicht mal gleich dass sie nicht mehr da sind..

geht es euch auch so?
Im Einkaufsmarkt z.B. .. mein Mann sagte immer:Du musst doch bloß den Wagen an der Kasse abholen.. die wissen doch was du kaufst und haben ihn schon gepackt.. ;)

Ja.. ich bin ein Gewohnheitsmensch und kaufe (fast) immer die gleichen Dinge und ich greife schon fast automatisch ins Regal..
doch dann.. irgendwas fehlt da..manchmal weiß ich nicht mal genau was es war ;)
wenn es mir einfällt suche ich es..wo anders hingeräumt? Andere Marke als vorher ??Oder ganz aus dem Sortiment genommen..??
Auch die Frau an der Kasse der Cafeteria z.B. immer da.. und fast schon Inventar..
mein Mann hat oft mit ihr "geschäkert" mir liegt das nicht so..
jetzt sitzen andere Frauen da.. ist sie versetzt worden ?Manchmal war sie auch in der Küche..ist sie in Rente gegangen .. ist ihr was zugestoßen?
Unwillkürlich macht man sich Gedanken .. vielleicht hätte ich doch auch mal nachfragen sollen ob sie bald in Ruhestand geht.
Nachbarn und Leute aus der Straße die man so vom sehen kennt.. es fällt erst auf wenn sie einem nicht mehr begegnen und fragt man  Jemanden .. ach der.. der ist doch schon lange tot .. :( ich habe keine Zeitung und bekomme so etwas selten mit ).Vielleicht hätte man  doch mal stehen bleiben  und ein "Schwätzchen" halten sollen und hätte erfahren dass es ev.gesundheitliche Probleme gab.
*
In meiner Jugend wuchs ich mit Dampfloks und Dampfschiffen auf.. sie waren immer da.. und begleiteten unseren Alltag..fast unmerklich verschwanden sie Stück für Stück und auf einmal waren sie ganz weg..
Gebäude wie für die Ewigkeit gebaut.. seit Jugendtagen vertraut.. plötzlich müssen sie weichen .. und alles ändert sich.. wenn man keine Bilder hat verblasst sogar die Erinnerung..


die kleine Dampflok vor dem Ringlokschuppen.. von beidem nichts mehr da





Raddampfer Vaterland..aber wir haben wieder die Goethe ..auch wenn ihre Dampfmaschine ausser Betrieb genommen wurde 


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Die letzte Zeit beschäftige ich mich wieder etwas mehr mit der Vergangenheit und auch meine Tochter hat für irgendeine Arbeit einen Stammbaum erstellen sollen..
Es ist so vieles was man nicht oder nicht mehr weiß und die Zeitzeugen sind gar nicht mehr da.. meine Mutter kann nicht mehr über ihre Familie Auskunft geben und mein Vater weiß zwar noch manches aber auch nicht alles..
Mein Mann ist auch nicht mehr da.Sein Stammbaum väterlicherseit ist allerdings erforscht und es gibt eine Zweiglinie die versucht den gemeinsamen Ursprung zu finden ;) aber bei meiner Schwiegermutter wird es da schon wieder schwieriger..
Ich hab mich zwar schon immer für alte Geschichten interssiert und kann da stundenlang zuhören .. aber ich vergesse viel und hätte es mir aufschreiben sollen..

Vor 2 oder 3 Tagen las ich auf einem Blog .. da ging es um die Kriegszeit und um Flucht ..da schrieb jemand.. jetzt hätte ich Zeit um meinen Vater nach seiner Jugend zu fragen.. jetzt ist er nicht mehr da..

Es ist schade und viel geht verloren... also traut euch beizeiten und solange es noch geht Vater.. Mutter Oma .. Opa und wer sonst noch da ist nach seiner Geschichte zu fragen.. denn es ist auch unsere

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Kommentare:

  1. Diesen Rat habe ich im letzten Jahr auch gegeben, weil es einfach noch zu viele Dinge gibt, auf die man keine Antwort mehr bekommen wird. Gott sei Dank konnte ich einigermaßen vor Jahren den Stammbaum zusammentragen. Das war schon fast Schwerstarbeit in der Forschung, aber geschafft.
    Danke für diesen schönen Beitrag.
    Liebe Grüße
    Jessica

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  2. Nun erfährst Du es also als Erste und außerhalb meines eigenen Blogs:
    Ich bin Asperger Autistin. Hochbegabt, aber eben mit einer sog. Wahrnehmungs - Verarbeitungsstörung, wie Asperger auch bezeichnet wird.

    Was das mit Deinem Post zu tun hat? Ganz einfach: Ich brauche vertrautes. Im Supermarkt gehe ich immer zu bestimmten Regalen, um zu kaufen, was ich sonst auch erwerbe. Und der Kassierer ist mir vertraut, den mag ich.
    Wenn Produkte nicht stehen wo ich es gewohnt bin, dann verwirrt mich das. Noch mehr, wenn man sie aus dem Sortiment genommen und durch neue ersetzt hat. Was tun? Meistens verweigere ich mich in der Folge.

    Eine mittlere Katastrophe war es für mich, als der vertraute kleine Laden um die Ecke den Verkauf einstellte und sich 2 km weiter als riesiggroßer Shop neu positionierte mit Frischetheken, massig neuem Personal und Flutlicht als Deckenbeleuchtung. Das ging gar nicht! Und ich hab mch geweigert dort einzukaufen. Da kannte ich eben nichts und niemanden...

    Mit der Vergangenheit ist es bei mir ohnehin schwierig. Aber vielleicht erzähle ich das eines Tages mal in einem ganz speziellen Post.

    Unabhängig davon habe ich 1984 meinen Mann, 1986 meine Mutter, 1989 meine Schwester und 1991 meinen Jüngsten verloren. Alles keine "normalen" Todesfälle. Ich war eine junge Frau und niemand mehr da, außer meinen beiden Kindern. Da bin ich aus Nordrhein - Westfalen weggegangen, in den Norden, an die Küste. Es war ein Neuanfang.

    Beruflich war ich Fachkrankenschwester für Psychiatrie, konnte mir vieles erklären, anderes nicht. Von den seelisch kranken Menschen wollte ich weg und führte hier ein ambulantes Hospiz mit einer Chefin, die alles mir überließ. Der Bornout war vorprorammert, da ich immer alles zu 200% richtig machen möchte...

    Warum war mir nicht klar. Selbst dann nicht, als ich in der Folge nach Hamburg ging und etwas ganz anderes gemacht hab', um mich zu schützen. Dabei lief doch alles nach genau dem Schema ab wie zuvor. Man nimmt sich immer selbst mit, ganz gleich wohin man auch geht.

    Nun bin ich zurück. Am Meer. Bekam die Diagnose, die mich zunächst schockte. Ich autistisch? Wo ich doch immer inmitten von Menschen war? Aber dann erkannte ich immer mehr. Passt schon. Ist okay jetzt.

    Manchmal ist es gut endlich einen Schlüssel in die Hand zu bekommen! Übrigens erfuhr ich 1995, dass mein Papa biologisch gar nicht mein Vater war. Auch das war ein Schlüssel mehr. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte...

    Ich finde Deinen Eintrag hochinteressant, alles Liebe,
    Gabriele

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  3. danke euch..
    hallo Gabriele..
    danke auch dir für deine Offenheit.. es tut mir sehr Leid dass du erst so spät die richtige Diagnose bekommen hast..
    vielleicht wäre dir manches Leid erspart geblieben wenn du es früher gewußt hättest..
    ich kenne Autismus .. manchmal denke ich so ein bisschen davon steckt auch in mir ;)
    dein Satz: Man nimmt sich immer selbst mit.. stimmt mich nachdenklich..
    ich wünsche dir dass du dich jetzt nicht nur in deiner Umgebung sondern auch in deinem Leben "zurecht" findest..
    liebe Grüße
    Rosi

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  4. Ich habe ja auch gerade darüber geschrieben, dass ich gerne mehr über die Vergangenheit wüsste, aber zum Glück ist mein Vater nich da und meine Mutter hat für mich ein wunderbares Schriftstück hinterlassen. Es macht mich allerdings sehr traurig drin zu lesen...da ging es auch um die Bombennacht in Dresden 1945. Wenn es mir schon schwerfällt, wie schwer muss es dann unseren Eltern fallen, darüber zu berichten. Falls du mal einen Ort findest, der vielleicht historisch und verlassen ist, aber noch existiert...kannst du ihn gerne bei meinen Lost Places verlinken. Würde mich freuen. Interessant finde ich, das die Mutter deiner Mutter dageblieben ist. Wir haben im Urlaub in Danzig mal eine deutsche Oma getroffen...die war mit Sicherheit auch dageblieben.
    LG Sigrun

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    1. Oh je...es sollte heißen, zum Glück ist mein Vater NOCH da.......LG Sigrun

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  5. Ein toller Artikel ;-). Diese Dampfschiffe haben wir hier noch auf dem See, aber die Neuen sind Motorschiffe... wäre schade wenn sie auch verschwinden würden... Zum Stammbaum kann man wirklich nach dem Tod der Eltern niemanden mehr fragen...
    Herzliche Grüsse in deinen Sonntag, Sichtwiese

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  6. Ein kluger Rat!! Erst gestern habe ich mit meinen Eltern alte Bilder angeschaut. Mein Papa als kleiner Racker inmitten von tatkräftigen Frauen.. die Männer waren alle an der Front oder waren schon gefallen. Irgendwie wurde mir sehr ums Herz.. ich hoffe, die Welt heute kommt schnell zur Vernunft!! Herzlichst, Nicole

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  7. ich danke euch..
    ja.. später wird so ein Stammbaum wirklich kompliziert zu recherchieren.. ich werde vielleicht einen Cousin mal fragen..
    er hat mir schon mal alte Bilder gemailt..
    Sigrun nicht nur meine Oma ist dort geblieben sondern die ganze Familie.. fast der ganze Ort war "deutsch" geblieben
    allerdings mit großen Schikanen seitens der polnischen Regierung..meine Mutter war die einzige im Westen..(ein Bruder war kurz nach dem Krieg auch hier.. ging aber zurück um die Mutter auf dem Hof zu unterstützen..)
    allerdings hat es sich nun geändert..
    Cousins und Cousinen die keinen Hof übernehmen können sind nach Deutschland gekommen
    aber ich kenn viele kaum.. und ihre Kinder fast gar nicht ;)
    nur wer zu den Feierlichkeiten meiner Mutter kam..
    liebe Grüße
    Rosi

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  8. Liebe Rosi,
    das hast Du so wundervoll geschrieben! Danke dafür! Ich sitze oft mit meiner Mama zusammen, und lausche den Geschichten von früher ...
    Ich wünsch Dir einen schönen und glücklichen Wochenbeginn!
    ♥ Allerliebste Grüße ,Claudia ♥

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  9. Es ist mit den Dingen, die uns umgeben so und auch mit den Menschen, an denen uns etwas liegt. Irgendwann sind sie nicht mehr da. So wie du es in deinem Post schreibst. Mir geht es wie dir. Es berührt mich sehr was du geschrieben hast.
    Liebe Grüße
    Renate

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  10. dankeschön
    habt eine schöne Woche..

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