Freitag, 12. Februar 2016

Nachhaltigkeit früher Teil 3

Haushalt und Garten

*


ich habe dieser Tage überlegt wie man eigentlich früher gesagt hat als die Begriffe wie Nachhaltigkeit und Minimalismus noch nicht gebräuchlich waren.Dieses ist mir eingefallen..
Wenn jemand wenig "Besitz" hatte lebte er spartanisch auch genügsam trifft es in etwa und im täglichen Ver- und Gebrauch von Konsumgütern war man sparsam und ging sorgsam mit ihnen um.

*
Wie war also unsere sparsame Haushaltsführung ?
Meine Mutter war da eine Meisterin.
In der Küche machte sie vieles selber,die Suppennudeln z.B.oder das Schmalz aus Flohmen und Speck mit ein paar Zwiebeln.Sie kochte ein und bediente sich der Natur als kostenfreiem Lieferanten.
Wenn die Zeit da war gingen wir in die Heidelbeeren und kamen voller Zecken wieder heim ;) .
Aber Hefeklöße mit Heidelbeersoße entschädigten für alle Mühen.

Zur Brombeerzeit gingen wir bewaffnet mit Eimern und Spazierstöcken (zum angeln der Ranken ) schon frühzeitig los denn Andere hatten natürlich auch die Idee.. Es gab viele Kratzer und als Belohnung etliche Gläser Gelee.
Natürlich hatten wir keinen elektischen Entsafter.. nicht einmal eine flotte Lotte.
Der Küchenhocker wurde umgedreht auf den Tisch gestellt und an den 4 Beinen ein leichtes Küchen - oder Baumwolltuch festgebunden.Die Beeren  kochte man etwas an und füllte danach alles in das Tuch.Eine Schüssel darunter fing den Saft auf.Wehe es war nicht fest genug angebunden ;) Die Enden des Tuches wurden dann zusammen gedreht und dadurch presste man die restliche Flüssigkeit heraus.
Der Saft wurde  noch einmal aufgekocht und entweder gleich abgefüllt oder zu Gelee verarbeitet.
So entstand Brombeer- Himbeer- Johannisbeer- und Holunderbeersaft und Gelee.
Im Winter griff man gerne darauf zurück.. besonders der Holundersaft (auch Fliederbeersaft genannt) war bei Erkältungen begehrt.
Zum Hocker fiel mir gerade ein.. es war ein Waschhocker.. wir hatten ja in Flensburg keine Waschgelegenheit und den Hocker konnte man aufklappen dann war eine emaillierte Waschschüssel darin.

Schaut mal ich habe den gleichen bei ebay gefunden hier

 Im Herbst gingen wir in die Pilze.. meine Eltern kannten viele gute  Stellen und manchmal hatten sie so viele Steinpilze dass sie die Hälfte an das nächstbeste Lokal verkauften ;)
Es gab dann Pilze mit Ei und die übrig gebliebenen wurden getrocknet.
*
Meine Eltern hatten immer einen Garten in dem sie ihr Gemüse und etwas Beerenobst zogen.Schon in Flensburg war ein Garten direkt an der Bahn die Freizeitbeschäftigung meines Vaters.Es war ein ganzes Stück bis dorthin und oft ging er direkt vom Dienst aus hin um zu jäten und nach dem rechten zu schauen..
Da gibt es noch eine lustige Geschichte.Auf dem Güterbahnhof waren Elefanten vom Zirkus verladen worden und es fiel sehr viel Mist an.Ein Glücksfall für die Gärner denn Kunstdünger hatten sie nicht.
Mein Vater brachte also einen ganze Menge davon zum Garten.
Als er einige Tage später wieder hinkam sah er nur noch ein Häufchen Asche..durch den Funkenflug der vorbeifahrenden Dampfloks hatte der Mist sich entzündet.
Wie ich hier so sitze und in Erinnerungen schwelge fällt mir ein,wir hatten dort noch einen Garten,auf dem "Hausberg" der gleich hinter dem Haus aufstieg.Der Blasberg oder wie wir sagten der Ballastberg,nach der Ballastbrücke wie die Straße hieß in der wir wohnten.
Den Namen Blasberg erfuhr ich erst als ich schon lange nicht mehr dort wohnte ..
ein Bild zeigt mich wie ich fleissig bei der Gartenarbeit bin ..





auch im neuen Wohnort hielt mein Vater nach einem Garten Ausschau.Gleich neben unserem Wohnblock lag ein braches Grundstück etwas am Hang aber fast flach und unten an der Straße ein Trümmergrundstück noch etwas weiter ging es wieder den Hang hinauf.Auf dem flachen Stück hatten sich schon viele ein Gartenstück ergattert und es blieb nur noch am Hang etwas übrig.Es war auch nur ein sehr kleines Fleckchen Erde. Durch eine Stützmauer ebnete mein Vater es ein so dass wir es bewirtschaften konnten.
Als die Trümmer des Nachbarhauses bis auf die Kellerdecke abgetragen waren machte sich meine Mutter dort ihren eigenen Garten.. sie schüttete kleine Beete auf die sie mit Blumen bepflanzte .Im Nutzgarten war dafür kein Platz.

Mein Vater baute noch einen kleinen Pavillon und so hatten wir einen schönen Platz zum Ausruhen.Ein sehr steiles Stückchen dass vom Trümmergrundstück zu dem anderen Gartenteil führte machte sie auch noch nutzbar.Es war für mich ein herrlicher Spielplatz.

Im Garten wuchsen Johannis und Stachelbeeren.. Tomaten.. Erbsen und Bohnen.. Radieschen und Möhren..Salat.Kohrabi und andere Kohlsorten.
Erdbeeren gab es keine denn die hätten den wenigen Platz der vorhanden war das ganze Jahr beansprucht.
(Später kam dann noch ein Garten an der Bahn dazu und noch später ein Gartengrundstück in einem Tal.Den gibt es noch aber ich hab ihn aber arg vernachlässigt und mein Vater kann nicht mehr hin denn es ist sehr steil.Ein kleines Trümmergrundstück haben meine Eltern noch gekauft, dort steht ein Wohnwagen und es ist ihr Rosengarten in dem mein Vater immer noch arbeitet.)
Meine Oma saß auch gerne im Sommer in der Laube denn die Wohnung war doch etwas klein und sie hatte kaum persönlichen Platz. Ihr Bett stand im Wohnzimmer und im Flur hatte sie nur einen Schrank mit ihren Sachen.
Sie ging auch gerne in den Wald spazieren und kam immer mit ein paar Holzknüppeln und Tannenzapfen zum Heizen wieder.Sie konnte nicht verstehen dass in unseren Wäldern so viel Holz herum lag.
In der Zone waren sie wie geputzt ;)

Das Obst und Gemüse wurde frisch in der Küche verarbeitet.. die Tomaten vom Strauch schmeckten köstlich . Gurken und Kürbisse wurden eingekocht.
Meine Mutter kochte sehr einfach. Bratenfleisch (Rind,Schwein ,Gulasch) gab es am Sonntag mit hausgemachten Klößen.Da haben mein Mann später und mein Vater sich wahre Schlachten geliefert wer die meisten schaffte.. ich glaube 9 oder 10 waren der Rekord. Sie waren aber auch zu lecker..

Meist blieb dann noch ein Rest für wochentags.
Unter der Woche gab es mal Bratwurst oder Frikadellen ..oder.. was ich überhaupt nicht mochte.. Lungenhaschee.. aber es war halt billig und meine Mutter schmeckte es noch mit etwas Zitrone ab.
Freitags gab es oft Pellkartoffeln mit Hering oder nur Butter und Salz.Es gab sie  auch so mal mit Hausmacher Wurst.. Vati bekam dann noch etwas Kalbsleberwurst dazu.Ich mag es heute noch.Nudeln kamen kaum auf den Tisch,selten mal Makkaroni,deshalb brauche ich auch heute noch Kartoffeln ;) ..Bratkartoffeln mit Spiegelei oder Kartoffelbrei mir Rührei waren auch "Klassiker"

Weihnachten gab es ganz taditionell eine Gans mit Rotkohl und Klößen.. 
Den Hals( die lose Haut) der Gans füllte sie mir einem Füllsel aus den Innereien,er wurde abgekocht und später kalt aufgeschnitten,das abgeschöpfte Fett diente ebenfalls als Brotaufstrich.Den Rest der Gans (Karkasse und Knochen ) wurde ausgekocht und ergab noch ein kräftige Nudelsuppe.

Im Sommer kochte sie öfter süße Suppen.. das war einfach eine angedickte Suppe aus Saft.. z. B. Zitronen-oder Holunderbeersaft.. dann kamen noch Wölkchen obendrauf.. Eischnee mit dem Löffel draufgesetzt ..die zogen dann in der heißen Suppe gar.In die Holundersuppe kamen noch Apfelspalten und in die Zitronensuppe Rosinen..
Auch Kuchen gab es nur sonntags und zu Festen.. meist die klassische "Abgerührte"( oder ein Obstboden).. der Teig wurde von Hand mit einer "Holzkeule"gerührt.. ihr seht das Teil oben in dem Glas mit den Holzküchenwerkzeugen.


Meine Mutter konnte aber auch ganz tolle Buttercremetorten backen und ihre Schwarzwälder war berühmtberüchtigt denn nach 2 bis 3 Stücken sollte man besser nicht mehr Auto fahren ;)
es kamen nämlich ordentlich eingelegte Rumkirschen hinein.
Abends gab es Brote mit Käse , meist Schmierkäse, Streichwurst,seltener Aufschnitt .Ganz lecker war ausgelassener Speck noch heiß über das Brot laufen gelassen. 

Trinken zum Essen wie es heute üblich ist war mir unbekannt.Sonst gab es Tee und Malzkaffee (Kathreiner ) Zitronensaft oder einfaches Wasser.
Limonaden oder gar Cola hatten wir nicht.Zum Sonntagskuchen wurde auch Bohnenkaffee gekocht.
Später als meine Oma da war gab es immer Bohnenkaffe da sie ihn so gerne mochte.

* 

Kommentare:

  1. Dein schöner Post erfreut mich.
    Du schreibst sehr lebendig.
    Ich lese selten so lange Posts, aber bei dir wurde es nie
    langatmig.
    Liebe Grüße und einen guten Abend
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  2. dankeschön
    dir auch noch einen schönen Abend

    AntwortenLöschen
  3. Guten Abend,

    ich sage herzlichen Dank im Namen meiner Mama für Deine lieben Zeilen auf unserem Blog. Meine Mama schreibt manchmal einen Post wenn sie etwas zu berichten hat, ich bearbeite dann meist die Bilder und veröffentliche ihn, normalerweise postet auch meine Nähfreundin Stephie mit, aber sie hat im Moment eine kleine Pause eingelegt und da springt dann auch meistens meine Mama ein.

    Du bist ja ganz neu im Bloggerland. Ich habe schon ein bisschen nachgelesen und finde Du schreibst das alles sehr schön, das gefällt mir. Ich kenne von meiner Kindheit, dass ich mit meiner Oma immer in die Heidelbeeren gegangen bin. Das war schön und die Münder waren dann immer ganz schwarz und es gab dann meistens Dampfnudeln mit Heidelbeerkompott, das war soo lecker, aber solche Heidelbeeren gibt es ja heute gar nicht mehr, mir schmecken diese Kulturheidelbeeren gar nicht, die schmecken einfach fad. Dein Obstkuchen sieht herrlich lecker aus, genau nach meinem Geschmack. Ich backe, wenn ich denn backe, auch nur am Wochenende oder wenn sich Besuch angekündigt hat, die einfachen Rezepte ohne großen Schnickschnack sind mir da am Allerliebsten.

    Liebe Wochenendgrüße und viel Freude beim Bloggen wünscht Dir
    die Kerstin

    AntwortenLöschen
  4. dankeschön.. ja die Dampfnudeln oder Hefeklöße.. das war immer lecker..leider kann man heute im Wald auch nicht mehr sammeln,zum Einen gibt es kaum noch welche ,zum Anderen ist ja der Fuchsbandwurm zu beachten,da hat man dann schon Bedenken ob waschen reicht..
    liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  5. Wie toll doch diese Schilderung ist. Sie erinnert mich an die Zeit mit meiner Oma. Ich habe das alles zwar so nicht erlebt, dafür bin ich eindeutig zu jung, aber vieles hat Oma erzählt und auch so gemacht. Bis ins hohe Alter war zum Beispiel ihr Garten hoch und heilig. Ich kann mich auch noch erinnern, dass sie zu Bekannten ans andere Ende vom Dorf mit der Schubkarre gelaufen ist, um guten Hasenmist fürs Düngen zu holen. Ich denke so gerne daran und frage mich, wo das heutige Leben, wie wir es haben, hinführt. Auch wenn es schwer fällt, würde ich doch gerne so leben wie damals, doch wie umsetzen? Danke nochmal für die Geschichte.
    Liebe Grüße
    Jessica

    AntwortenLöschen
  6. Meist beende ich lange Posts frühzeitig. Soviel mag ich selten in einem Blog lesen....
    Gerade habe ich erstaunt festgestellt,mich lese immer noch :) Schön und interessant geschrieben! Vieles kenne ich aus Erzählungen, aber hier in der Schweiz war doch manches etwas anders...
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  7. Man spürt, dass Du Dich wirklich gerne zurück erinnerst!

    lg
    Maria

    AntwortenLöschen
  8. Schön...so in Erinnerungen zu schwelgen...Da fällt mir doch glatt ein, wie meine Oma mich zu ihrer Schwester immer mit auf´s Land genommen hatte, als ich noch Kind war...so eine ganz andere Welt für mich als Großstadtkind...Schönes Wochenende! LG Lotta.

    AntwortenLöschen
  9. dankeschön
    ich freue mich dass ich euch nicht langweile ;)
    und je länger ich mich damit befasse um so mehr fällt mir auch ein..
    schön dass es auch bei euch Erinnerungen weckt
    ich wünsch euch ein schönes Wochenende

    AntwortenLöschen
  10. jessika.. wir können die "gute alte Zeit" die ja nicht immer nicht so gut war nicht zurückholen
    aber so einiges davon können wir uns bewahren..
    vielleicht geht ein kleines Gärtlein..
    auf alle Fälle geht etwas einfacher leben.. man muss nicht alles mitmachen was Trend ist.
    Man kann auch mal ohne Handy sein
    und wer "braucht" schon wirklich Facebook und co und 1000 Freunde von denen nicht einer auf einen kaffee vorbei kommt ;)
    in diesem Sinne.. versuch es einfach
    liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  11. Elefantenmist ist ja auch mal ein sehr seltener Dünger in unseren Breiten! Selbst an Pferdemist ist ja schon schlecht ranzukommen. Wenn ich so zurückdenke, fällt mir auf, wie viel meine Mutter und Oma zu Fuß erledigt haben, sogar einen Wäschekorb für die Heißmangel kilometerweit getragen zu zweit. Zum Zahnarzt bin ich als Kind noch weiter gelaufen. Würd heute keiner mehr machen, aber ich bin's seither gewohnt und laufe auch mal einige Kilometer.
    VG
    Elke

    AntwortenLöschen
  12. ja.. früher hat man viel zu Fuß erledigt oder mit dem Fahrrad..in die Stadt waren es 15 min zu laufen und in meine Schule 20 min;)
    Ausflüge in den Wald bis 10 oder mehr km waren auch keine Seltenheit
    LG

    AntwortenLöschen
  13. Schön ist dein Eintrag, da kehren bei mir ganz viele Erinnerungen zurück... vor allem wie wir Beeren gewrungen haben... ich kann mich sogar noch an die Wäschemange erinnern, die ich so gerne betätigt habe... Man lebt so wirklich in deinem Geschriebenen mit, hab lieben Dank dafür.
    Herzliche Grüsse, Sichtwiese

    AntwortenLöschen
  14. dankeschön..
    eine Mangel gab es auch in unserer Waschküche.. aber sie gehörte nicht uns und so haben wir sie nicht benutzt ;)
    liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  15. war sehr schön zu lesen!
    Danke schön, da komme ich gerne wieder!
    liebe Grüße
    Gerti

    AntwortenLöschen
  16. Was für ein großartiger Ausflug in die Vergangenheit! Ich höre und lese so gern darüber, über die Zeit, die man selber nur aus Geschichten kennt.
    Danke für diesen schönen Post, Alles Liebe Babsy

    AntwortenLöschen